Crazy Colleague 25
Der Moralapostel

Die Akten - Deutsch - English - Italiano

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Das Aktenbild des 25ten Crazy Colleague auf Italienisch

Die Geschichte des Kollegen

Sündiger! Doch ich werde über dich kommen und dir ein schlechtes Gewissen bereiten! Ein schlechtes Gewissen wegen Dingen, bei denen Du nicht einmal im Entfernten davon ahntest, dass Du dich schuldig fühlen müsstest!

Gefährlich:  20

Nervtötend:  100

Kompetitiv:  40

Inkompetent: 20

 

Der Kollege

„Wenn der Groschen im Kasten erklingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt!“. Ja, wenn wir es doch nur so einfach wie die Menschen im Mittelalter hätten. Mit ein wenig Geld allein, könnten wir uns von jeder Sühne befreien und unser Gewissen reinkaufen. Hast Du versehentlicher Weise, die lästige alte Funzel von nebenan fälschlich als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt? Hast Du Gilbert, den Dorftölpel im Eifer des Gefechts beim „Hangman“-Spiel mit einem echten Strick zu sehr stranguliert? Alles kein Problem! Sei es drum, mit einer kleinen Spende in den Ablasskasten ist deine Seele wieder sauberer als ein Babypopo und Du kannst all diese kleinen Missgeschicke vergessen. 

Heutzutage, ist es leider nicht mehr so einfach für uns. Unsere schlechten Taten verfolgen uns oft und gerne weit über die vollbrachte Schändlichkeit hinaus. Und dank unseres verflixten Wirtschaftswunderwohlstands haben wir auch noch weniger Rechtfertigung für unser egoistisches Tun. Wir, die Leser dieses Buches, sind höchstwahrscheinlich faul, lethargisch, wohlgenährt, vielleicht sogar übergewichtig, gar fett und werden täglich mit tragischen Nachrichten, Fotos von Hungernden, Aufnahmen von Flüchtenden und Katzenvideos bombardiert. Dennoch rühren wir kaum einen Finger oder Mundwinkel, um die Welt ein Stück besser zu machen. Abgesehen von dem Mundwinkel, welchen wir beanspruchen, wenn wir über das Katzenvideo lachen und den Finger, den wir zum Teilen dessen mit unseren Freunden und Kollegen benötigen. Wir haben halt trotz Wohlstandsgesellschaft alle unsere eigenen Probleme und mehr gute Ausreden, als Geld auf unserem Konto oder Zeit zum Anpacken parat.

Und zu allem Überfluss treffen wir dann auch noch auf Lisa in der Firma. Es würde sich ja als privilegierter, überernährter Mensch noch ganz gut leben, wäre da nicht der Moralapostel, der keine Gelegenheit auslässt, uns den Spiegel vorzuhalten. Lisas Gewissen ist weißer als die Unterwäsche des Papstes. Dank ihr sind wir ständig auf dem Laufenden über die Missstände dieser Welt und wiederholt mit der unangenehmen Frage konfrontiert „Dir geht es so gut, du bist so reich, warum teilst du nicht mehr mit den Bedürftigen?“. Bestens vorbereitet und trainiert von den Auseinandersetzungen mit den Wegelagerern der Wohltätigkeitsorganisationen, die uns in der Fußgängerzone den Weg blockieren und unser Gewissen mit hinterhältigen Fragen für eine bessere Welt attackieren, hat jeder von uns schnell eine passende Entschuldigung auf Lager: „Bleib ruhig Kumpel, ich spende schon anderswo!“, „Ich will mich erst noch genauer informieren (in meinem unsichtbaren Buch über die Dinge, die mich nicht interessieren)!“, „Wurm dich nicht, erst einmal sammele ich etwas Geld, dann kann ich später mehr spenden!“ oder das ehrlichere „Rutsch mir bloß den Buckel runter, das geht dich nichts an, du elender Gutmensch!“. Mit diesen Entschuldigungen speisen wir sie erst einmal ab, aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt beim Sprechen solcher Worte im Mund zurück.

Vielleicht können wir Lisa kurzfristig abwimmeln.  Aber es wäre sich zu früh gefreut, denn ein einmaliges in die Flucht schlagen zählt gar nichts. Es steht außer Frage, sie wird hartnäckig bleiben. Woher dieser Kampfeswille stammt? Keine Ahnung. Vielleicht hat sie sich bei ihrer Ausbildung als Klimaterrorist durchs Leben im Baumhaus oder während ihrer Meditationsphase, angeklebt an den Asphalt eines stinkenden Autobahnkreuzes, radikalisiert. Für euer Verhältnis spielt das keine Rolle. Solange der Scheck nicht unterschrieben ist, wird vom Specht beständig auf das Holz eingeklopft. Sei auf der Hut, sie wird sich deine Entschuldigungen gut einprägen, um sie dann später gegen dich zu verwenden. Am nächsten Tag heißt es dann „Du sagtest gestern, du spendest schon woanders. Wo denn? Kann ich mich da anschließen?“ oder „Und, inzwischen hast du dich doch bestimmt gut über die wohltätigen Projekte informiert, die du unterstützen willst. Welche erscheinen dir vielversprechend?“ oder „Hast du denn jetzt genug gesammelt, um einen ganz kleinen davon Teil abzugeben?“. Und um dich weiter in die Irre zu führen, folgt noch eine Matheaufgabe: „Sei nicht so geizig, es würde reichen, wenn du Geld im Wert eines halben Apfelsaftglases jede 40 Minuten eines Tages spendest, so könnte man den 100000 Hungernden in Hungarien mit 1.5 kg Humus in der Woche helfen!“. Es ist hoffnungslos. Solange wir nicht zufällig tief in den Miesen stecken und ihr einen Kontoauszug als Beleg für unsere erbärmliche Situation unter die Nase reiben können, wird sie diese weiter in unsere Angelegenheiten stecken.

Egal wie diese Spendendiskussion ausgeht, ob Du nachgibst und die Karte durch den Schlitz ziehst oder nicht, glaube ja nicht, hier wäre dann Schluss. Lisa kennt noch viele weitere Möglichkeiten, dir dein nicht bionormenkonformes Leben zu erschweren. Denn sie ist nicht nur die Barmherzigste von allen, sie ist auch ein Wächter der Natur. Auf eine Firma bezogen, sozusagen ein Türsteher, der entscheidet, welcher Müll und Abschaum passieren darf und welcher nicht. Also im wirklichen Sinne des Wortes. Als Hüter der vier heiligen Müllcontainer kontrolliert sie nicht ungern, ob ihre Kollegen die Abfalltrennung auch rigoros befolgen. Beim ersten Fehler macht sie dich wohl noch dezent mit einem lautkräftigen Räuspern darauf aufmerksam, dass Du den falschen der vier hungrigen Müllschlucker gewählt hast. Das nächste Mal zwingt sie dich jedoch schon dazu, diesen Fehler mit ausgestrecktem Arm in der Tonne zu bereinigen, deinen Müll wieder heraus zu holen, um in einem zweiten Versuch die richtige Wahl zu treffen. Hoffen wir für dich, dass dein Müll nicht fälschlicher Weise in der Biotonne gelandet ist, in der sie kurz zuvor die Reste ihres stinkenden Bananen-Tofu-Mus entsorgt hat.

Ihre Liebe zur Natur kann sich aber auch auf ganz andere Weisen äußern. „Warum nimmst du nicht Mal das Fahrrad zur Arbeit? Musst du wirklich den Flieger nehmen, um auf Malle Urlaub zu machen? Die Ostsee ist doch viel schöner! Wegwerftaschentücher sind eine einzig große Verschwendung, schnäuz dich lieber mal in einem auswaschbaren aus! Ist es nötig, dass du am Wochenende faul zu Hause rumsitzt und Energie verbrauchst? Geh doch mal lieber raus, für den guten Zweck demonstrieren, so machst du dich endlich nützlich! Was, du gehst auf ein Grillfest? Findest du es nicht unverantwortlich so viel Fleisch zu essen? Probiere mal diesen veganen Zwieback, der ist viel knuspriger und leckerer und du würdest helfen, dass dem Eisbären nicht seine Pole wegschmelzen!“. Sie hat ja grundsätzlich bei allem recht – mit Ausnahme der Behauptung das veganer Zwieback lecker sei – aber hat sie auch das Recht dazu, uns mit ihrem Gutmenschentum und Klimaterrorismus den verdienten und dekadenten Wohlstandsbürgeralltag zu vermiesen?

Die Orientierung des Moralapostels

Das Problem

Stell dir vor, es ist San Valentinstag und gleichzeitig der Geburtstag deines Kindes und Jubiläum des Zusammenseins mit deinem Partner in einem und dann verschläfst Du einfach alles. Wie fühlst Du dich? Ganz schön mies, nicht wahr? Oder bist Du gar nicht mehr in der Lage, Gewissensbisse zu empfinden und schon von der kalten Welt verroht? Der Moralapostel tritt dort zu, wo es eigentlich am schmerzhaftesten sein sollte, viele von uns aber schon gefühlstaub sind: Im Herzen! Er polarisiert wie kaum ein anderer. Man hasst ihn mit Leidenschaft, weil er uns den Spiegel vorhält und so die Pickel der Habgier in unserem Gesicht aufzeigt, dass wir so gerne rein und unschuldig präsentieren würden. Egal ob er uns ein schlechtes Gewissen macht oder uns mit seiner Scheinheiligkeit auf den Wecker geht, durch ihn sehen wir uns ständig mit der Ungerechtigkeit dieser Welt konfrontiert. Lisa ist nicht mit guten Worten zu kommen, denn jegliche Entschuldigung ist für sie nur eine egoistische Ausrede, diese unfaire Welt nicht bessern zu wollen. Wie müssen wir mit diesem Weltverbesserer umgehen, um die Regenwolke zu verschieben, die er über unserem Kopf beschwört, sodass wir uns weiter in der Sonne unserer Bequemlichkeit baden können?

Lösung 1: Der Trick der Politik

Ja, wer ist nicht besser darauf vorbereitet, unangenehmen Fragen auszuweichen, als ein x-beliebiger Wutpolitiker unserer Tage? Wenn dir der Moralapostel mit seinen anklagenden Worten kommt, dann mach es doch einfach wie ein Donald Trump, Boris Johnson, Bernd Höcke oder anderer Galle-spukender-Lumpenpopulist! Immer wenn eine unangenehme Frage gestellt wird, dann gehe nicht darauf ein, sondern lenke von ihr mit einem durch Wut potenzierten Gegenangriff ab. Auf die Frage „Warum spendest du nicht einmal was für die Kinder in Afrika?“ antwortest Du mit „Richtig, aber warum spendet denn keiner etwas für die Kinder bei uns zu Hause?! Wie viel Kinderarmut muss unser Land denn noch ertragen! Zeit, unseren kinderschändenden Politikern da oben mal so richtig in den Hintern zu treten! Und überhaupt, diese unfähigen Waschlappen im Parlament, verdienen sich reich und dusselig, alle rausschmeißen…!“. Schon hast Du von deinem Geiz abgelenkt und gleichzeitig ein neues Feuer der Empörung gelegt, dass im Besten Fall lauschende Dritte dazu einlädt, sich mit zu empören. Das Thema wurde erfolgreich gewechselt.

Lösung 2: Gewissen vs. Gewissen

Falls Lisa es beabsichtigt, dir ein schlechtes Gewissen zu bereiten, dann schlag doch einfach auf dieselbe Weise zurück! Veranstalte sozusagen eine „Gewissensschlacht“: Wer von euch beiden profitiert mehr von der Gesellschaft und wer müsste mehr für das Heil der Welt tun? Du oder sie? Diesen Konflikt zu führen dürfte eigentlich nicht schwerfallen, schließlich arbeitet sie genauso wie Du in demselben Bürokomplex und lässt sich durchfüttern. Wenn sie dir damit kommt, ihre wohltätigen Taten aufzulisten, dann lüge einfach dreist nach Strich und Faden zurück, denn es gibt hinsichtlich denen nämlich nichts, aber auch überhaupt nichts, was von Belangen für euer Verhältnis wäre – und womöglich sind ihre Angaben genauso beschönigt oder übertrieben wie deine. Das Ganze läuft dann auf ein für beide Seiten wenig befriedigendes Patt hinaus, bei dem am Ende keiner mehr Lust hat, tiefer in den Granit des Gewissens zu bohren. Eine gute Grundlage, um sich in der Zukunft aus dem Weg zu gehen!

Lösung 3: Sei ein besserer Mensch

Diese Lösung ist etwas abwegig, deshalb ist sie hier auch erst als drittes aufgeführt. Wäre sie umsetzbar, dann wäre sie allerdings sehr wirkungsvoll: Sei ein besserer Mensch und alle Probleme mit dem Moralapostel und auch viele andere lösen sich einfach in Luft auf. Das schlechte Gewissen, das er dir bereiten kann, verfliegt mit etwas Spendenbereitschaft im Nu. Vielleicht gibt es auch für dich einen Bereich, in dem Du dich ohne zu viel Unbehagen sozial engagieren könntest? Mit ein wenig Empathie und Öffnung für alternative, naturverbundene Lebensstile, wächst das Verständnis für deinen Kollegen und das gilt auch reziprok. Nebenbei, als kleiner, aber nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt, nährt sich dein Karma-Konto, und Du kannst den erfüllenden Gedanken genießen, ein guter Mensch zu sein. Klingt doch eigentlich gar nicht so verkehrt? Ne, sorry, vergiss es einfach, total abwegiger Vorschlag, aber es fiel dem Autor hier grad nichts Besseres ein, um die Seiten dieses Werkes zu füllen. Bevor Du dich, lieber Leser, in deiner gemütlichen Leseecke nun über den falschen Altruismus aufregst, das Buch (oder den Laptop?) in die Ecke pfefferst und empört schwörst, nie wieder etwas von mir zu lesen, beende ich hier das abstoßende Gutmenschentum.

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